Das Risikoprofil als Grundlage für deine Anlageentscheidung (Teil 1: Risikotoleranz ermitteln)

Fällt dir auch die Entscheidung schwer, wie du dein Geld anlegen sollst? Damit bist du sicherlich nicht alleine. Denn die Auswahl an Anlagemöglichkeiten ist ziemlich groß. Daher gilt es die Produkte herauszufiltern, welche den eigenen Zielen am besten gerecht werden und natürlich auch zu einem passen.

Hierfür ist es hilfreich, sein Risikoprofil zu kennen. Nur was genau ist ein Risikoprofil und wie kannst du dein Risikoprofil herausfinden? Dieser Artikel soll dir genau dabei helfen. Im ersten Schritt geht es zunächst darum, deine Risikotoleranz zu ermitteln und im nächsten Artikel kümmern wir uns dann um deine Risikobereitschaft.

Inhalte

1. Was ist ein Risikoprofil?

2. Warum ist es wichtig sein Risikoprofil zu kennen?

3. So ermittelst du dein Risikoprofil – 1. Schritt: Risikotoleranz

    3.1. Lebenssituation

    3.2. Nettovermögen

    3.3. Anlagehorizont

    3.4. Sicheres Gehalt/Arbeitsverhältnis

    3.5. Finanzwissen

 1. Was ist ein Risikoprofil?

Dein individuelles Risikoprofil wird durch mehrere Faktoren beeinflusst, wie z.B. dein Anlagehorizont, deine persönliche Vermögens- und Lebenssituation, dein Alter und natürlich deine persönliche Risikoneigung. Also wie viel Risiko du ertragen kannst. Eine Gesamtbetrachtung entscheidet dann darüber, wie viel Risiko sinnvoll ist.


Dabei solltest du beachten, dass dein Risikoprofil nicht statisch ist. Denn grundlegende Lebensereignisse wie Familiengründung, Scheidung oder auch der Ruhestand, können dein Risikoprofil nachhaltig verändern.


Daher ist es ratsam, dass du dein aktuelles Risikoprofil nicht nur bei einer neuen Geldanlage beachtest, sondern auch immer mal wieder deine Anlagen in deinem Depot dahingehend überprüfst, ob sie noch deinem geltenden Risikoprofil entsprechen.

 

2. Warum ist es wichtig sein Risikoprofil zu kennen?

Nicht jeder Anleger weiß, wie viel Risiko er bei der Geldanlage tatsächlich eingehen kann. Dies führt vermehrt dazu, dass man sich eher von Emotionen leiten lässt, was oftmals zu irrationalem oder auch zu gar keinem Handeln führt. Vielleicht kommt dir folgende Einstellung bekannt vor:

An der Börse zu investieren ist doch viel zu gefährlich. Da kann man sein ganzes Geld verlieren. Da lasse ich mein Geld doch lieber auf dem Sparbuch….

 Ich hatte sie zumindest lange Zeit. Wer geht schon gerne das Risiko ein, Geld zu verlieren? Denn Geld zu verlieren ist hochemotional und es tut weh, wenn wir unser Geld nicht mehr gegen etwas schönes eintauschen können.


Es gibt natürlich auch Anleger die sich, bzw. das Risiko, was sie eingehen können, überschätzen. Wichtig sollte doch sein, dass man ein gutes Gefühl mit seiner Anlageentscheidung hat und vor allem ruhig schlafen kann. Und genau deshalb ist es wichtig, dass man sein Risikoprofil kennt.

Dein individuelles Risikoprofil sollte im Zentrum deiner Anlagestrategie stehen. Ziel ist mit jedem Investment nur das Risiko einzugehen, das du auch verkraften kannst.

3. So ermittelst du dein Risikoprofil – 1. Schritt: Risikotoleranz

Jetzt geht es darum, dass du dir einen Überblick verschaffst, wie viel Risiko du dir leisten kannst. Also ohne Gefahr zu laufen, in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Wie ich bereits erwähnt habe, wird die Risikotoleranz durch eine Reihe an objektiven Daten und Fakten bestimmt. Man könnte sie auch als Risikotragfähigkeit bezeichnen. Diese orientiert sich dabei an folgenden Punkten:

3.1. Lebenssituation

Bei der Ermittlung deiner Risikotoleranz solltest du deine gegenwärtige Lebenssituation mit einbeziehen. Hierbei spielt dein Alter und in welcher Lebensphase du dich gerade befindest, eine wesentliche Rolle. Was nicht heißt, dass nur weil du kurz vor der Rente stehst, keine Risiken mehr bei der Geldanlage eingehen kannst.


Wichtig hierbei ist eher zu beurteilen, ob du durch einen langen Anlagehorizont gewisse Schwankungen ertragen oder auch aussitzen kannst und ob du z.B. familiäre Verpflichtungen hast, bei denen du dich oder deine Familie in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen könntest, wenn du ein zu hohes Risiko eingehst.


Allerdings solltest du deine Lebenssituation hierbei nicht isoliert betrachten. Auch die weiteren Faktoren spielen hierbei eine wichtige Rolle. Es kommt also immer auf die Gesamtbetrachtung an.


3.2. Nettovermögen

Dein Nettovermögen liefert dir die Antwort auf die Frage: Wo stehe ich? Es ist die Basis für deine Finanzplanung.

Grundsätzlich kann man sagen, je mehr Vermögen du besitzt, desto höhere Risiken kannst du eingehen. Denn sollte es zu eventuellen Verlusten kommen, bist du durch dein Vermögen besser abgesichert. Zum Vermögen zählt z.B. dein Bankguthaben, Immobilien, Aktien, Anleihen, Fonds und auch bestimmte Wertgegenstände wie Kunst, Gold, Auto etc.

Neben deinem Vermögen, solltest du auch deine Verbindlichkeiten betrachten. Hierzu gehören insbesondere sämtliche Kredite, die du noch tilgen musst. Auch sonstige Schulden, wie unbezahlte Rechnungen, gehören zu deinen Verbindlichkeiten.

Wenn du dein Vermögen und deine Verbindlichkeiten gegenüberstellst, erhältst du als Differenz dein Nettovermögen. Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine Momentaufnahme, daher solltest du auch hier von Zeit zu Zeit dein Nettovermögen neu berechnen.

3.3. Anlagehorizont

Warum ist es wichtig, seinen Anlagehorizont zu kennen? – Nun ja, solltest du dein Geld kurzfristig benötigen, müsstest du z.B. deine Aktien oder Fonds zur Not mit Verlusten verkaufen. Und das ist natürlich nicht schön.

Daher stellt sich hier die Frage, wie lange du auf dein Geld, welches du investieren möchtest, verzichten kannst. Bis zu fünf Jahre? Fünf bis zehn Jahre? Über zehn Jahre? Bei einer Anlagedauer von bis zu fünf Jahren wird oftmals von einem kurzen Anlagehorizont gesprochen, bis zu zehn Jahren von einem mittleren und alles darüber hinaus von einem langen Anlagehorizont.

Und was hat der Anlagehorizont mit deinem Risikoprofil zu tun? Ganz einfach, je länger dein Anlagehorizont ist, desto mehr Risiko kannst du eingehen. Kursschwankungen kannst du einfach aussitzen. Durch den langen Zeitraum können zwischenzeitliche Rückschläge besser ausgeglichen werden. Das gilt insbesondere, wenn du fürs Alter vorsorgen möchtest und noch 20 Jahre oder länger bis zum Renteneintritt Zeit hast.

 

3.4. Sicheres Gehalt/Arbeitsverhältnis

 
Je mehr du verdienst und je sicherer dein Arbeitsplatz ist, desto mehr Risiko kannst du eingehen. Das bedeutet, dass ein Beamter bei der Geldanlage mehr Risiko verträgt, als jemand, der vor einer ungewissen beruflichen Zukunft steht.
 

3.5 Finanzwissen

Wie gut kennst du dich mit Finanzprodukten aus? Ein solides Grundwissen über Anlagemöglichkeiten sind auf jeden Fall von Vorteil. Dein Wissen und auch deine Erfahrungen ermöglichen es dir, höhere Risiken einzugehen. Denn je mehr du dich mit den Finanzprodukten beschäftigst, desto besser kannst du auch die Risiken einschätzen.

Um deine Risikotoleranz besser einschätzen zu können, bestimmst du am besten den Wert aus den einzelnen Punkten und ermittelst daraus deine Gesamteinschätzung. Ein guter Maßstab ist dabei eine Skala von niedrig, mittel und hoch.

Genauso wichtig wie die Einschätzung deiner Risikotoleranz ist deine persönliche Risikobereitschaft. Hierüber werde ich im nächsten Artikel schreiben.

 
 

Inhalte werden geladen

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

Schreibe einen Kommentar