Dein Risikoprofil als Grundlage für deine Anlageentscheidung (Teil 2: Risikobereitschaft ermitteln)

Im letzten Artikel habe ich dir gezeigt, wie du deine Risikotoleranz ermitteln kannst. Die Risikotoleranz sagt etwas darüber aus, wie viel Risiko du dir finanziell leisten kannst. Nun widmen wir uns deiner Risikobereitschaft.
 

Jetzt magst du vielleicht denken: „Ich weiß wie risikobereit ich bin“. Also ob du eher ein Schisser oder eher mutiger bist. Allerdings muss dies nicht unbedingt auf deine Geldanlage zutreffen.


So, und nun starten wir mal.


Inhalte

1. Was versteht man unter Risikobereitschaft?

2. So ermittelst du deine Risikobereitschaft

3. Was bedeutet die Einschätzung deiner Risikobereitschaft für deine Anlageentscheidung?

4. Dein Risikoprofil – So viel Risiko kannst du eingehen

5. Welche Geldanlage eignet sich am besten für dein Risikoprofil?

 

1. Was versteht man unter Risikobereitschaft?

 

Vereinfacht kann man sagen, dass die Risikobereitschaft die Bereitschaft ausdrückt, in welcher Höhe man finanzielle Verluste emotional verkraften kann. Also, wie viel Geld du bereit bist zu verlieren, ohne unter schlaflosen Nächten zu leiden.


Das hört sich natürlich erst mal nicht schön an. Daher ist es sehr wichtig, sich eine weitestgehend realistische Einschätzung von seinem Risikoprofil zu machen. Es nützt nichts, wenn man sich hierbei in die eigene Tasche lügt, nur weil man mal eine besonders gute Chance wittert. Darum ist es ratsam, dass man sich bevor man eine Investition tätigt, mit seiner Risikobereitschaft auseinandersetzt und dementsprechend sein Risikoprofil kennt.


Also solltest du dir vor jeder Anlageentscheidung bewusst machen, welche finanziellen Risiken du in deiner persönlichen Situation eingehen kannst oder auch willst.

 

2. So ermittelst du deine Risikobereitschaft


Deine persönliche Risikobereitschaft ermittelst du am besten, indem du dir mehrere Fragen stellst, wie z.B.:

1. Welche Verluste wären für mich gerade noch akzeptabel?
Hierfür legst du am besten einen Prozent-/ oder Eurowert fest, welcher deine maximale Verlustbereitschaft kennzeichnet.


2. Bin ich bereit, ein höheres Risiko einzugehen, um die Chance auf eine besonders gute Rendite zu nutzen?

Rendite und Risiko hängen meist sehr eng zusammen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass je höher die Renditechancen sind, je höher ist auch das Risiko der Geldanlage.


3. Wie würde ich mich mit zwischenzeitlich höheren Kursverlusten fühlen und kann ich diese z.B. bei einer langfristigen Geldanlage aushalten?
Auch bei einem längeren Anlagezeitraum von über 10 Jahren wird es immer mal wieder zu Kursverlusten kommen. Daher ist es von Vorteil zu wissen, wie du damit umgehst.


4. Wie verhalte ich mich in „brenzligen“ Situationen?
Hierbei geht es z.B. darum, ob ein Kursverlust dazu führen kann, dass du irrational handelst. Wie z.B. in einer Crash-Situation.


Anhand dieser Fragen ist kannst du deine Risikobereitschaft besser einschätzen.

3. Was bedeutet die Einschätzung deiner Risikobereitschaft für deine Anlageentscheidung?

 

Wenn du schlecht mit Verlusten umgehen kannst, ist deine Risikobereitschaft eher niedrig. Daher solltest du dein Geld dann besser in sichereren Finanzprodukten wie Spar-, Fest- und Tagesgeldkonten, Bausparverträge und evtl. auch Anleihen anlegen. Je höher deine persönliche Risikobereitschaft ist, desto höher kann dein Anteil risikoreicher Anlagen wie Aktien, Fonds, ETFs etc. sein. Vorausgesetzt natürlich, dass du das Risiko auch tragen kannst. Hierbei hilft dir die Ermittlung deiner Risikotoleranz oder auch Risikotragfähigkeit weiter.


Die Risikobereitschaft kann mitunter im Vergleich zu deiner Risikotoleranz deutlich geringer oder auch höher ausfallen. Allerdings ist es nicht empfehlenswert, mehr Risiko einzugehen, als du dir finanziell leisten kannst.


4. Dein Risikoprofil – So viel Risiko kannst du eingehen

 

Nun stellt sich natürlich noch die Frage, welches Risiko du letztendlich bei einer Geldanlage eingehen kannst. Insbesondere wenn sich zwischen deiner Risikotoleranz und deiner Risikobereitschaft eine Differenz ergibt.


Um diese Frage zu beantworten kommen wir jetzt zum letzten Schritt. Dazu fasst du am besten deine Ergebnisse aus der Risikotoleranz und der Risikobereitschaft zusammen und leitest daraus dein Risikoprofil ab. Im Idealfall stimmt deine Risikobereitschaft mit deiner Risikotoleranz, also dem Risiko, welches du dir finanziell leisten kannst, überein.

 

Dein Risikoprofil ergibt sich aus dem jeweils niedrigeren Wert aus deiner Risikotoleranz und deiner Risikobereitschaft. Wenn du also eine mittlere Risikotoleranz hast, aber nur eine niedrige Risikobereitschaft, ist dein Risikoprofil eher ein „niedriges Risiko“. Oder wenn du eine hohe Risikobereitschaft hast, aber nur eine mittlere Risikotoleranz, ist dein Risikoprofil eher ein „mittleres Risiko“.


5. Welche Geldanlage eignet sich am besten für dein Risikoprofil?


Zu guter Letzt widmen wir uns noch der Frage, welche Geldanlage sich am besten für dein Risikoprofil eignet.


Ist dein Risikoprofil eher niedrig und dein Anlagezeitraum eher kurz, sollte dein Hauptanlageziel eher sicherheitsorientiert sein. Das bedeutet, dass du den Großteil deiner Ersparnisse lieber z.B. auf Tagesgeld- oder Festgeldkonten anlegst.


Bei einem mittleren Risikoprofil und einem mittleren Anlagezeitraum (5 – 10 Jahren) kannst du deinen sicheren Anlagen eine gewisse renditeorientierte Anlage in z.B. ETFs und Fonds anlegen, welche deinem Risikoprofil entsprechen. Bei den Fonds wird die Risikoklasse mit angegeben. Bei ETFs gilt, je breiter gestreut, desto niedriger das Risiko.


Bei einem hohen Risikoprofil und einem langen Anlagezeitraum (> 10 Jahre) kannst du schon etwas „mutiger“ werden, indem du einen größeren Teil deiner Ersparnisse z.B. in Aktien und in risikoreichere Fonds anlegst. Schwankungen und somit auch zwischenzeitliche Kursverluste, können durch einen längeren Anlagezeitraum besser ausgeglichen werden.


Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine grobe Faustregel. Idealerweise streut man seine Geldanlage über unterschiedliche Risikoklassen.

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