Kursgewinne sichern per Stopp-Loss Order – Darauf solltest du achten !

Hast du dich auch schon mal gefragt, ob du deine bisherigen Kursgewinne in deinem Depot absichern kannst? Und wenn ja, wie? Ich finde, dass ist eine sehr interessante Frage. Denn gerade, wenn man in sein Depot schaut und sich über die positive Entwicklung freut, schwingt oftmals auch etwas Unsicherheit mit, dass sich die Gewinne wieder in Luft auflösen oder sogar in Verluste verwandeln könnten.


Ich denke, so mancher Anleger stellt sich die Frage nach einer Strategie, um sich gegen Verluste bestmöglich schützen zu können. Als eine dieser Strategien oder auch Instrumente, möchte ich dir die Stopp-Loss Order näher vorstellen.


Inhalte

 

1. Was ist eine Stopp-Loss Order?

2. So funktioniert die Stopp-Loss Order

3. Eine Alternative: Gewinne sichern mit der Stopp-Loss-Limit Order

4. Wo sollte man den Stopp-Kurs setzen?

5. Automatische Orderanpassung mit der Trailing-Stopp-Loss Order

6. Für wen ist eine Stopp-Loss Order sinnvoll?

7. Auch bei ETFs und Fonds können Stopp-Loss Order genutzt werden

 

1. Was ist eine Stopp-Loss Order?

 

Bei einer Stopp-Loss Order handelt es sich um einen speziellen und automatisierten Verkaufsauftrag. Das klingt zunächst einmal sehr technisch, was es im Grunde genommen auch ist. Denn damit erteilst du deiner Depot-Bank den Auftrag, ab einem festgelegten Kurs, welcher unter dem aktuellen Kurs liegt, dein Wertpapier automatisch zu verkaufen. Die Gültigkeit deiner Verkaufsorder kannst du dabei selbst wählen. Jedoch ist diese abhängig davon, was deine Depot-Bank maximal anbietet.


Dein Verkaufsauftrag wird also nicht sofort ausgeführt, sondern erst dann, wenn der Kurs des Wertpapiers deine festgelegte Schwelle erreicht hat. Doch Vorsicht: Das heißt nicht unbedingt, dass du das Wertpapier dann auch genau zu diesem Kurs verkaufst. Denn dein festgelegter Stopp-Kurs stellt leider keine Preisgarantie dar. Sobald die Schwelle erreicht wurde, wird deine Stopp-Loss Order in eine Bestens-Order verwandelt. Das bedeutet, dass dein Wertpapier dann zum bestmöglichen Kurs verkauft wird und der Verkaufskurs somit auch unter dem Stopp-Kurs liegen kann. Dies kann z.B. bei einem schnellen Kursrutsch passieren.


Jetzt magst du dich vielleicht fragen, warum denn das Ganze, wenn es doch keine Garantie gibt? Wer Wertpapiere an der Börse kauft, muss einige Risiken mit einkalkulieren. Diese kann auch ein derartiges Instrument nicht beseitigen. Der Sinn dahinter ist, dass du als Anleger deine bereits erzielten Gewinne besser absichern und Verluste weitestgehend begrenzen kannst. Aber einen 100%-Schutz kann und will ich dir nicht versprechen. Es besteht also weiterhin ein gewisses „Restrisiko“.


2. So funktioniert die Stopp-Loss Order

 

Wie die Stopp-Loss Order funktioniert, erläutere ich am Besten mal anhand eines Beispiels:

Du hast eine Aktie im Depot, welche aktuell bei 20 € notiert. Zur Absicherung erteilst du deiner Depot-Bank eine Stopp-Loss Verkaufsorder bei 16 €. Sobald der Aktienkurs auf 16 € (oder auch tiefer) gefallen ist, wird die Aktie automatisch zum nächsten bestmöglichen Kurs verkauft. So kannst du deinen gegenwärtigen Verlust im Optimalfall auf rund 20% begrenzen (Differenz von 20 € und 16 €) und verhinderst im Regelfall, dass dein Verlust auf 30% oder sogar noch mehr ansteigt.

Wie bereits erwähnt, gibt es hierbei einen wesentlichen Haken. Denn deine Stopp-Loss Order wird mit Erreichen der Schwelle in eine Bestens-Order verwandelt. Das bedeutet, dass der automatische Verkauf erfolgt, aber es eben keine Garantie gibt, zu welchem Kurs!


Der Aktienkurs wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Daher kann es durchaus passieren, dass wenn die nächste Nachfrage erst bei einem Kursniveau von rund 30% unter dem aktuellen Kurs vorhanden ist, du dann diesen Preis erhältst. Damit ist gemeint, dass du keine Garantie hast, dass dein Wertpapier genau zu deinem festgelegten Stopp-Loss-Kurs verkauft wird.


Jetzt magst du vielleicht denken, dass dies doch ein sehr hohes Risiko ist, wenn der Verkauf des Wertpapiers automatisch ausgelöst wird und du keine richtige Kontrolle über den Verkaufspreis hast. Und ich muss dazu sagen: Ja, dass ist ein Risiko, was sich allerdings oftmals in Grenzen hält. Denn im Regelfall bewegt sich der Verkaufskurs in der Nähe deines festgelegten Stopp-Kurses.


Führen wir hierzu mal das Beispiel fort:

Wie schon erwähnt, hast du eine Stopp-Loss Order über 16 € erteilt. Aktuell notiert die Aktie noch bei 20 €. Nun passiert folgendes: Die Aktie verliert z. B. aufgrund von einer leichten Schwächephase an Wert und der Kurs sinkt langsam auf 19 €, 18 €, 17,50 €, bis er dann auf 16 € fällt. Somit wird dann deine Stopp-Loss Order ausgeführt und du hast gute Chancen, dass du dann einen Verkaufspreis im Bereich deines festgelegten Stopp-Kurses erhältst. Die Absicherung hat hier dann sehr gut funktioniert. Das sollte auch der Normalfall sein!!!

Allerdings kann es durchaus auch anders aussehen. Wenn z.B. über das Unternehmen plötzlich und völlig überraschend gravierende Negativschlagzeilen veröffentlicht werden oder das Unternehmen eine dramatische Gewinnwarnung herausgibt, dann kann der Kurs durchaus auch in einem Rutsch von 20 € auf 14 € fallen. Wenn dann bei deiner festgelegten Stopp-Loss-Marke von 16 € keine Nachfrage stattfindet, sondern erst bei 14 €, dann wird deine Stopp-Loss Verkaufsorder auch erst bei 14 € ausgeführt. Somit liegt dann dein realisierter Verlust bei -30%, obwohl du bei -20% eine Absicherung eingebaut hast. Das ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, aber eben möglich. Das solltest du unbedingt im Hinterkopf behalten.


3. Eine Alternative: Gewinne sichern mit der Stopp-Loss-Limit Order

 

Um dein Risiko noch weiter zu reduzieren, gibt es inzwischen bei einigen Depot-Banken die Möglichkeit, ein zusätzliches Limit bei einer Stopp-Loss Order zu setzen.


Wieder etwas Neues? Nein, im Grunde genommen ist das wie bei der Stopp-Loss Order, nur dass du hierbei noch ein weiteres Limit auswählen kannst. Also eine absolute Untergrenze sozusagen, bei der du deine Aktie verkaufen möchtest. Der Vorteil hierbei ist, dass du dich dadurch noch besser davor schützen kannst, dass deine Aktie beim Erreichen der Stopp-Loss Schwelle, zu einem zu niedrigen Kurs verkauft wird. Denn wie bereits erwähnt, wird die Verkaufsorder mit Erreichen der Stopp-Loss-Schwelle zum bestmöglichen Kurs verkauft. Und mit der der Stopp-Loss-Limit Order würdest du deine maximale Untergrenze definieren. Also ein zusätzlicher Sicherheitspuffer. Ist das nicht toll? Schau am besten mal nach, ob deine Depot-Bank dir diese Orderart auch anbietet.


Allerdings gibt es hierbei auch einen negativen Aspekt. Es wäre ja auch zu schön, wenn alles so einfach wäre. Es kann nämlich passieren, dass der Verkauf nicht ausgeführt wird, weil der Kurs unter die Schwelle deines gesetzten Stopp-Loss-Limits rauscht.


Um dir das besser zu verdeutlichen, führe ich das obige Beispiel noch mal fort:

Der Kurs der Aktie liegt bei 20 € und du hast einen Stopp-Loss bei 16 € gesetzt, und legst jetzt noch ein zusätzliches Limit bei 15 € fest. Auf Grund eines plötzlichen Ereignisses rauscht der Kurs von 20 auf 14 €. In dem Fall reagiert der Stopp-Loss, aber er wird durch dein gleichzeitig gesetztes Limit bei 15 € aufgehoben, denn der aktuelle Kurs liegt ja darunter (bei 14 €). In dem Fall wird deine Verkaufsorder nicht ausgeführt und deine Verluste können somit weiter laufen. Dies ist zwar kein Regelfall, aber dennoch ein mögliches Risiko, worauf ich gerne hinweisen möchte.


4. Wo sollte man den Stopp-Kurs setzen?

 

Am einfachsten wäre es natürlich, wenn es dafür eine allgemein gültige Faustregel gibt, aber die gibt es leider nicht. Daher ist diese Frage auch nicht so leicht zu beantworten.


Oftmals wird empfohlen, eine Spanne von 10% unter dem aktuellen Kurs zu wählen. Dies gilt allerdings in erster Linie für Wertpapiere, welche nicht so starke Kursschwankungen unterliegen – also weniger volatil sind.


Für schwankungsfreudigere Wertpapiere sollte der Kursabstand entsprechend höher gewählt werden (z.B. 20%). Und warum? Wenn die Aktie z.B. mal einen schwachen Tag hat, gibt es doch nichts ärgerliches, wenn die Verkaufsorder zu früh ausgelöst wird und die Aktie dann anschließend ihren Anstieg munter fortsetzt. Dann kannst du von den Kurssteigerungen nicht mehr profitieren.


Platzierst du die Stopp-Loss-Marke andererseits zu weit weg vom aktuellen Kurs, nimmst du möglicherweise unnötige Kursverluste in Kauf, bevor die Order dann ausgelöst wird. Wie du siehst, ist es ein ganz schönes Dilemma und keine so einfache Entscheidung.


Daher ist es hilfreich, die Spanne in Abhängigkeit von der eigenen Risikoneigung, der Volatilität des jeweiligen Wertpapiers und auch der aktuellen Marktsituation zu wählen. Auch kann es von Vorteil sein, wenn du dich an einer charttechnischen Marke orientierst. Diese findest du in den gängigen Finanzportalen wie z.B. onvistafinanzen.net usw.


Viele Anleger nehmen als Basis ihren ursprünglichen Einstandskurs, um auf keinen Fall in die Verlustzone zu geraten. Das ist menschlich, aber nicht unbedingt rational. Denn das Ziel ist es ja, Gewinne bestmöglich zu sichern. Daher ist es sinnvoll, den gesetzten Stopp-Loss-Kurs von Zeit zu Zeit zu überprüfen und ggf. anzupassen. Gerade wenn sich die Aktie im Aufwärtstrend befindet, sollte die Differenz zwischen dem aktuellen und deinem gesetzten Stopp-Loss-Kurs nicht zu groß sein. Zusätzlich solltest du auch noch darauf achten, dass deine Depot-Bank nicht für jede Änderung Gebühren verlangt, sonst schmälert dies wiederum deinen Gewinn.


5. Automatische Orderanpassung mit der Trailing-Stopp-Loss Order

 

Wenn dir eine manuelle Orderanpassung zu viel Zeit kostet, gibt es auch eine Möglichkeit zur automatischen Orderanpassung – und zwar mit der Trailing-Stopp-Loss Order. Diese Orderart wird von immer mehr Banken angeboten.


Der Vorteil dieser Orderart ist es, dass der Stopp-Kurs bei einem Kursanstieg der Aktie automatisch angepasst wird. Man definiert also keinen Stopp-Loss-Kurs, bei dem die Aktie automatisch verkauft wird, sondern einen prozentualen oder absoluten Abstand zum Aktien-Höchstkurs. Jeder neue Höchstkurs gilt dann als neue Grenze, von welcher der gewählte Abstand gezählt wird.


Bei fallenden Kursen, bleibt der Stopp-Loss-Kurs unverändert. Auch hier gilt, sobald der Aktienkurs die Stopp-Loss Schwelle erreicht, wird die Aktie zum nächsten handelbaren Kurs verkauft.

Auf diese Weise kannst du dir also die Arbeit, laufend deinen Stopp-Loss-Kurs anzupassen, sparen.


6. Für wen ist eine Stopp-Loss Order sinnvoll?

 

Grundsätzlich ist dieses Instrument für jeden sinnvoll, der nicht jederzeit sein Depot kontrollieren kann bzw. will oder auch für diejenigen, die das Risiko etwas mehr begrenzen möchten, damit die Wertpapiere nicht ungebremst in den Keller rauschen können.


Auch für Anleger, die langfristig Verluste nicht aussitzen können, weil sie z. B. das Geld in ein paar Jahren benötigen, kann dieses Instrument durchaus sinnvoll sein. Denn gerade, wenn der Renteneintritt naht, oder wenn eine größere Anschaffung, wie z.B. ein Immobilienkauf geplant ist, sollte man Verluste bestmöglich vermeiden.


7. Auch bei ETFs und Fonds können Stopp-Loss Order genutzt werden

 

An dieser Stelle habe ich noch einen kleinen Tipp für dich: Du hast nicht nur die Möglichkeit, die Gewinne deiner Aktien per Stopp-Loss Order besser abzusichern, sondern auch bei deinen ETFs und aktiven Fonds.


Wenn du hierbei eine Börse als Handelsplatz auswählst, kannst du die Fondsanteile über die Börse verkaufen oder kaufen. In diesen Fällen kannst du auch diese Orderart nutzen.


Mich würde mal interessieren, ob und wie du dein Depot gegen fallende Kurse absicherst, oder ob du es jetzt vorhast zu tun?

 
 

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